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Aufräumen mit Kindern: So kann es im Familienalltag gelingen

  • Autorenbild: Nadine Spycher
    Nadine Spycher
  • vor 11 Minuten
  • 6 Min. Lesezeit

Kinderzimmer haben eine erstaunliche Fähigkeit, sich zu füllen.

Geburtstage, Weihnachten, kleine Mitbringsel, Fundstücke, Bastelarbeiten, Bücher, Spielsachen – und plötzlich ist von allem ziemlich viel da.

Deshalb gehört Aussortieren bei uns schon länger ganz selbstverständlich dazu. Nicht als grosses Projekt an einem einzigen Tag, sondern immer wieder zwischendurch: eine Kategorie nach der anderen.

Mal sind es Bücher, mal Autos, mal Bastelsachen oder Kleider.

Unser Umzug war natürlich ein guter Anlass, genauer hinzuschauen. Denn alles, was nicht mehr gebraucht wird, muss schliesslich auch nicht eingepackt, transportiert und wieder eingeräumt werden.

Aber eigentlich gilt das ganz unabhängig von einem Umzug:

Regelmässiges Aussortieren hilft Kindern und Erwachsenen dabei, den Überblick zu behalten und Platz für das zu schaffen, was wirklich genutzt und geliebt wird.

nad-in beim Pixi-Büechli aussortieren
nad-in beim Pixi-Büechli aussortieren

Kinder müssen Aufräumen und Aussortieren erst lernen

Was wir Erwachsenen manchmal vergessen: Ordnung ist nichts, was Kinder einfach können.

Auch Schuhe binden oder Zähne putzen lernen sie nicht von alleine. Genauso müssen sie erst lernen, Dinge zu sortieren, Entscheidungen zu treffen und ihren Sachen einen festen Platz zu geben.

Und gerade das Aussortieren ist anspruchsvoll.

Kinder hängen oft ganz anders an Gegenständen als wir. Sie sammeln gerne, erfinden Geschichten rund um ihre Spielsachen und können den Wert eines Gegenstandes nicht unbedingt daran festmachen, wie häufig sie ihn tatsächlich benutzen. Deshalb ist für mich ein Grundsatz besonders wichtig:

Die Sachen meiner Kinder gehören meinen Kindern.

Ich möchte deshalb nicht regelmässig heimlich durch ihre Zimmer gehen und alles verschwinden lassen, von dem ich finde, dass sie es nicht mehr brauchen. Bis zu einem gewissen Alter - sagen wir so bis 3-jährig - ist das okey, spätestens dann aber sollte man das Kind miteinbeziehen.

Und natürlich gibt es Ausnahmen: ausgetrocknete Filzstifte, kaputte Dinge, die sich nicht reparieren lassen, oder offensichtlicher Abfall müssen nicht zu einer Grundsatzdiskussion werden.

Aber sobald es um Spielsachen und persönliche Dinge geht, dürfen die Kinder mitreden.


Nicht alles auf einmal

Ein Kinderzimmer komplett auszuräumen und dann zu sagen: So, jetzt entscheiden wir über alles, kann ein Kind schnell überfordern. Viel einfacher ist es, Kategorie für Kategorie vorzugehen.

Also zum Beispiel: Autos. Plüschtiere. Bücher. Bastelsachen. Spiele. Kleider.

Genau so machen wir es auch bei uns: nicht alles auf einmal, sondern immer wieder eine einzelne, manchmal auch klitzekleine Kategorie.

Dadurch wird aus dem riesigen Projekt Kinderzimmer ausmisten eine überschaubare Aufgabe.

Und es lässt sich viel leichter in den Familienalltag integrieren.


Nicht fragen: «Brauchst du das wirklich noch?»

Eine meiner liebsten Erkenntnisse aus dem Ordnungscoaching ist, wie viel die richtige Frage verändern kann.

«Brauchst du das wirklich noch?» ist nämlich gar nicht so hilfreich. Die Antwort eines Kindes darauf lautet ziemlich oft: JA!

Auch dann, wenn das betreffende Spielzeug seit acht Monaten unter dem Bett liegt. Viel spannender sind Fragen wie:

«Welches davon magst du besonders gerne?»

«Mit welchen Autos spielst du am meisten?»

«Welche drei möchtest du unbedingt behalten?»

«Gibt es etwas davon, das du einem Freund oder einer Freundin schenken möchtest?»

Gerade diese letzte Frage kann erstaunlich viel verändern. Ein Spielzeug einfach wegzugeben fühlt sich möglicherweise schwierig an. Die Vorstellung, dass ein Freund oder ein anderes Kind damit Freude haben könnte, macht das Loslassen oft leichter. Damit verschiebt sich generell der Fokus. Es geht nicht darum, möglichst viel wegzunehmen, sondern darum herauszufinden, was bleiben darf – und was vielleicht woanders noch Freude bereiten kann. Das fühlt sich auch für Kinder völlig anders an.


Auswahl statt Überforderung

Kinder besitzen heute oft unglaublich viele Dinge. Und ständig kommt Neues dazu: Geburtstag, Weihnachten, kleine Mitbringsel, Flohmarkt, Geschenke von Grosseltern …

Mehr Auswahl bedeutet dabei nicht automatisch mehr Spiel. Im Gegenteil: Zu viele Dinge können es schwieriger machen, überhaupt zu entscheiden, womit man spielen möchte – und spätestens beim Aufräumen wird die Menge sehr sichtbar. Darum mag ich den Gedanken:

Lieber von etwas viel, womit wirklich gespielt wird, als von vielem ein bisschen.

Wenn ein Kind beispielsweise leidenschaftlich gerne mit der Brio-Eisenbahn spielt, muss diese Sammlung nicht möglichst klein sein. Das Kind kann sich davon mehr wünschen anstelle einer zusätzlichen Eisenbahn von Duplo- oder Lego. Vielleicht dürfen dafür andere Spielsachen gehen, die kaum interessant sind.

Ordnung bedeutet für mich nicht Minimalismus um jeden Preis. Es bedeutet, dass die Dinge, die wir besitzen, zu unserem Leben passen.


Und wohin mit den aussortierten Sachen?

Dieser Punkt ist bei Kindern besonders wichtig. Denn weggeben bedeutet nicht automatisch wegwerfen.

Ein Spielzeug loszulassen fällt manchmal viel leichter, wenn ein Kind weiss, dass jemand anderes damit weiterspielen wird.

Aussortierte Dinge können zum Beispiel:

  • an Freunde oder andere Kinder weitergegeben werden,

  • verschenkt oder getauscht werden,

  • in eine Brockenstube gebracht werden,

  • verkauft werden,

  • an eine Kita, einen Kindergarten oder eine soziale Organisation gehen.

Gerade bei grösseren Kindern kann sogar ein eigener kleiner Flohmarkt motivierend sein.

So lernen Kinder nebenbei auch etwas, das mir persönlich sehr wichtig ist: Dinge haben einen Wert – auch dann, wenn wir sie selbst nicht mehr benötigen.


Ein Umzug ist ein guter zusätzlicher Anlass

Auch wenn Aussortieren bei uns nicht erst mit dem Umzug begonnen hat, war dieser natürlich eine gute Gelegenheit, nochmals genauer hinzuschauen. Denn bevor etwas in eine Umzugskiste wandert, lohnt sich die Frage: Soll das wirklich mit ins neue Zuhause?

Gerade bei Kindern würde ich damit aber nicht bis kurz vor dem Umzug warten. Viel entspannter ist es, schon vorher immer wieder einzelne Kategorien gemeinsam durchzugehen. So entsteht gar nicht erst die Situation, dass kurz vor dem Umzug plötzlich ein komplettes Kinderzimmer unter Zeitdruck aussortiert werden muss.

Wer mit Kindern umzieht, findet übrigens bei LeihBOX auch eigene Tipps rund um das Thema Umzug mit Kindern.


Nach dem Aussortieren kommt die eigentliche Ordnung

Weniger Dinge allein schaffen noch keine Ordnung. Damit Kinder später auch selbst aufräumen können, müssen sie wissen: Wo gehört was hin?

Das klingt banal – ist aber einer der entscheidenden Punkte. «Räum dein Zimmer auf» ist gerade für kleinere Kinder eine riesige und sehr abstrakte Aufgabe. Viel einfacher ist: «Bitte fahr alle Autos in die Garage.» oder: «Leg alle Duplo in diese Kiste.»

Dafür braucht es eine Grundordnung, die für das Kind nachvollziehbar ist. Spielsachen sollten möglichst leicht zugänglich sein und einen festen Platz haben. Bei kleineren Kindern helfen offene Regale, Körbe oder Boxen. Bilder auf den Boxen können zusätzlich zeigen, was hineingehört. Ganz nach dem Montessori-Grundgedanken: «Hilf mir, es selbst zu tun.»

Eine gute Ordnung im Kinderzimmer ist deshalb für mich nicht diejenige, die auf Instagram am schönsten aussieht. Sie ist dann gut, wenn das Kind sie versteht und möglichst selbstständig nutzen kann.


Und trotzdem liegt bei uns Spielzeug herum

Ja. Natürlich. Auch im Zuhause einer Ordnungscoach-Familie. 😉

Mit Kindern zu leben bedeutet nicht, dass jederzeit alles perfekt aufgeräumt sein muss oder das Kinder liebend gerne aufräumen.

Kinder spielen. Sie bauen Welten. Sie verteilen Dinge.

Und manchmal befindet sich mitten im Wohnzimmer ein Bauwerk, das auf gar keinen Fall weggeräumt werden darf, weil morgen selbstverständlich daran weitergebaut wird. Oder das Kind ist einfach viel zu müde zum Aufräumen weil es einen fordernden Tag hatte.

Ordnung und Familienleben dürfen nebeneinander existieren.

Mir geht es deshalb viel weniger um ein permanent perfektes Zuhause als um eine Grundordnung, zu der wir wieder zurückfinden können. Wenn jedes Ding grundsätzlich einen Platz hat, wird aus dem Chaos kein Dauerzustand.

Und genau das möchte ich auch meinen Kindern mitgeben: Aufräumen ist keine Strafe. Es gehört zum Alltag – genauso wie viele andere Dinge, die wir gemeinsam als Familie erledigen.


Mein Fazit

Kinder beim Aussortieren einzubeziehen braucht manchmal mehr Zeit (und viel Geduld), als einfach selbst schnell durch das Zimmer zu gehen. Aber diese Zeit lohnt sich. Denn das eigentliche Ziel ist nicht nur ein leererer Schrank. Unsere Kinder lernen dabei, Entscheidungen zu treffen, Verantwortung für ihre Dinge zu übernehmen und zu erkennen, was ihnen wirklich wichtig ist. Und vielleicht ist genau das die wertvollste Form von Ordnung.

Nicht ein perfektes Kinderzimmer. Sondern ein Kind, das irgendwann weiss:

Das gehört mir. Das ist mir wichtig. Und ich weiss, wo es hingehört.


Du möchtest noch tiefer ins Thema «Aufräumen mit Kindern» eintauchen?

Wie gelingt es, dass Kinder beim Aufräumen tatsächlich mitmachen? Welche Ordnungssysteme funktionieren in welchem Alter? Wie lassen sich Routinen etablieren – und was kann man tun, wenn das Kind überhaupt keine Lust auf Aufräumen hat?

In meinem Webinar «Kinderleicht Ordnung schaffen» zeige ich viele praktische Möglichkeiten, wie Ordnung im Familienalltag ohne Perfektionsanspruch funktionieren kann.

Mehr Informationen zu meinen Vorträgen und Ordnungscoachings findest du auf hier.


Herzlichst,

eure nad-in

 
 
 

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